Tengelmann baut gründlich um
Supermarkt-Betreiber entwickeln mit Compex durchgängiges System vom Lager bis zur Filiale - Homogene Datenbasis angestrebt.
LZ|NET. Kaiser's Tengelmann entwickelt derzeit mit Compex Commerce ein neues Warenwirtschaftssystem, das einheitlich sowohl planerische als auch operative Entscheidungen unterstützt.
Es soll ab 2007 nicht nur Zentrale und Filiale steuern, sondern auch die bestehenden Lagersysteme ablösen. Mit dem Projekt will der Supermarktbetreiber seine Prozesse verschlanken und verkaufsorientierter werden.
Abbildung mit einer einheitlichen integrierten Lösung
Die Kaiser's Tengelmann AG (KTAG) will ihre warenwirtschaftlichen Prozesse vom Lieferanten bis zum Kunden mit einer einheitlichen, vollintegrierten Lösung abbilden.
So soll das neue System, welches der Supermarktbetreiber derzeit mit dem Heidelberger Softwarehaus Compex entwickelt, ab 2007 nicht nur Zentrale und Filiale, sondern auch die fünf Lagerstandorte steuern.
Dort wird Compex die ausgerollte Lösung Alwis der Logim Software GmbH ablösen, mit der Kaiser's Tengelmann die beleglose Kommissionierung bereits umsetzt hat.
Soll-Prozesse mit Microsoft Visio dokumentiert
"Wir wollen die Probleme mit Schnittstellen auf jeden Fall meiden, um einen durchgängigen Prozess ohne Medienbrüche zu erhalten", erklärt KTAG-Geschäftsführer Lutz Endrikat. Der Viersener Supermarktbetreiber legt großen Wert darauf, sich seine zukünftigen Prozesse nicht vom Funktionsumfang einer Standard-Software vorgeben zu lassen.
"Wir sind froh, dass wir gemeinsam entwickeln können", sagt Endrikat. Noch vor der Auswahl des IT-Dienstleisters hatte sein Team mit allen Fachbereichen die zukünftigen Soll-Prozesse definiert und mit dem Diagramm-Tool Microsoft Visio dokumentiert.
Für die Feinkonzeption und die Umsetzung in Software haben die Viersener zwischen die Fachbereiche und die IT-Entwicklung eine neue Organisationsebene eingeführt: Prozessmanager modellieren und moderieren jetzt zwischen Fachbereich und Anwendungsentwicklung.
"Wir entwickeln nur das, was zwischen Fachbereich und Prozessmanagement abgestimmt wurde", erklärt Endrikat. Der Vorstand um Bernd Ahlers hat alle Soll-Prozesse abgenommen.
Unternehmen will verkaufsorientierter arbeiten
Durch das Projekt soll das gesamte Unternehmen stärker verkaufsorientiert arbeiten. So ist geplant, in allen Sortimentsbereichen die automatische Disposition aufgrund von Abverkaufsprognosen einzuführen. Dazu muss zunächst die artikelgenaue Bestandsführung in den Filialen realisiert werden.
Die Category Manager sollen jeden Artikel zukünftig nicht mehr nach der Differenz zwischen Einkaufspreis und Verkaufspreis, sondern nach einer Abverkaufs-Spanne bewerten, welche Abschriften und Schwund berücksichtigen.
Insgesamt soll der Einkauf stärker am Abverkauf orientiert werden. Gleichzeitig soll in den Filialen der Papierkram reduziert werden. "Wir wollen verkaufen statt verwalten", sagt Endrikat.
Roll-out für das dritte Quartal 2006 geplant
Schritt für Schritt programmiert das Heidelberger Softwarehaus Compex Commerce derzeit die Anforderungen des Supermarktbetreibers im Rahmen seiner Standardlösung. Bis Ende September soll die Lösung fertig entwickelt sein und anschließend in umfangreichen Integrations-Tests geprüft werden.
Ab dem zweiten Quartal kommenden Jahres soll das System dann als Pilot installiert werden und im dritten Quartal in den Roll-out gehen. Endrikat ist optimistisch, wie geplant bis Ende des kommenden Jahres alle Bereiche vom Lager bis zur Filiale einheitlich mit der Software von Compex zu steuern.
Alle Anwender arbeiten mit einheitlicher Compex-Oberfläche
Alle Anwender, ob in Lager, Zentrale oder den rund 750 Filialen sollen ab Anfang 2007 mit der einheitlichen Compex-Oberfläche arbeiten. Die Filialen erhalten einen Compex-Client, mit dem sie auf das zentrale System zugreifen.
Auch auf den MDE-Geräten am Regal der Supermärkte soll Software der Heidelberger laufen. Dort werden den Mitarbeitern dann Bestellvorschläge übermittelt, die auf Prognosen des Compex-Systems aus historischen Abverkaufszahlen beruhen.
Auch die Datenbasis soll radikal homogenisiert werden.
"Alle arbeiten mit einem zentralen Datenbestand", erklärt Endrikat. Die schlechten Erfahrungen anderer Handelsunternehmen mit komplexen Schnittstellen-Landschaften sollen damit konsequent vermieden werden.
Stamm- wie Bewegungsdaten sollen ebenso wie historische Daten in einer einheitlichen Oracle-Datenbank bereitstehen - unabhängig davon, ob sie für Analysen oder für operative Entscheidungen genutzt werden. Lediglich im Bereich der Buchhaltung und des Controllings wird Kaiser's Tengelmann auch in Zukunft mit SAP arbeiten.
OBII wird voll integriert sein
Compex-Geschäftsführer Christophe Loetz will Data Warehouse und Warenwirtschaftssystem systematisch auf einer Benutzeroberfläche verschmelzen.
"Online Business Intelligence Integration" (OBII) hat er den Ansatz genannt, nach dem Datenanalysen als "Bestandteil der Prozesse angesehen werden" und diese zeitnah steuern können. "Der Anwender merkt gar nicht, dass er OBII nutzt, weil es voll integriert ist", erklärt der Compex-Chef.